Der Freudenbote

Der Freudenbote könnte eine Umschreibung für den Monat Mai sein. Als Wonnemonat wird er gerne bezeichnet. Licht und Wärme erfreuen das Herz. Sie locken uns in den Garten, auf den Balkon oder auf eine Fahrt ins Blaue. Zum Mai gehört die Freude am Leben, am sich lebendig Fühlen und am Wachsen und Blühen der Natur. Wie passend ist der Monat Mai darum zur Verkündigung von Jesus mit dem Anbruch des Gottesreiches. Das beseligende, neu machende Aufbrechen, sowie die Natur im Frühling. So blühen die Menschen um Jesus herum auf. Sein Wirken erfüllt erstorbene Herzen mit neuer Hoffnung und den betrübten Geist mit neuer Freude. Sein Ruf: Folge mir nach! (Markus 1, 17) tönt wie eine helle Melodie. Der Freudenbote geht durch die Lande. Ein altes Schriftwort findet seine Erfüllung: Wie lieblich sind die Füsse des Freudenboten (Jesaja 52, 7)!

In die Gefolgschaft von Jesus sich zu begeben, ihn zu hören und zu erleben, was für eine Anziehungskraft! Aber Jesus erfüllt nicht alle Erwartungen. Die ganz grosse Weltenwende vollzieht sich nicht. Die Revolution gegen die Fremdherrschaft Roms bleibt aus. Erste Enttäuschungen kommen auf. Dann der letzte Weg nach Jerusalem zum Passahfest. Mit dem jubelnden Empfang durch die Pilger und den Hosianna-Rufen flammt wieder Begeisterung auf. Mit dem Karfreitag wird sie zertreten. Es braucht den österlichen Ruf von Christus, um die Jünger neu zu sammeln. Das Lied des Freudenboten erklingt in einem neuen Ton. Es sendet die Frauen, die an Ostern das leere Grab gefunden haben und holt die Jünger zurück, die an Karfreitag die Flucht ergriffen. Es führt Petrus aus dessen Verleugnung heraus zum Neuanfang und die Gestalt des Thomas mit seinen Zweifeln zum Glauben. Das Pfingstfest erzählt davon: der Geist Gottes, der die Frauen und die Jünger erfüllt. Sie wissen sich nun im Wort von Christus, dem Freudenboten, gehalten und gesendet. Ein neuer Monat Mai bricht in ihren Herzen an.

Und ich? Der Ruf in die Nachfolge von Christus ist noch immer das Lied des Freudenboten vom grossen Maientag. Christus singt es in unseren Herzen, damit wir aus seiner Stimme Freude und Kraft für unser Leben finden. Und Christus singt es für diese Welt, damit wir Botinnen und Boten der Freude für andere seien.

Pfarrer Thomas Gottschall