Die Stimme der Konfirmation

Vor über 20 Jahren habe ich mein kirchliches Praktikum in der Kirchgemeinde Rapperswil gemacht. Etwas vom Wertvollsten, das ich von meinem Ausbildungspfarrer mitgenommen habe, ist sein Konfritual. Bis heute drückt es aus, was für mich die Konfirmation bedeutet und was mein Anliegen ist, den jungen Menschen mit auf den Weg zu geben.

Konfirmation ist im traditionellen Verständnis die Bestätigung der Taufe und das Bekenntnis zum Glauben. Für mich ist der Glaube jedoch ein Weg und da kann bzw. muss die ganze Gruppe nicht an einem bestimmten Datum «Ja» sagen. Die Jugendlichen stehen an verschiedenen Orten im Leben und im Glauben. Wichtig ist mir, dass wir in der Konfzeit Worte finden, um über den eigenen Glauben zu reden. Dass wir Räume öffnen, um miteinander zu singen und zu beten, um die biblische Botschaft zu hören und so den Glauben als eine persönliche Beziehung zu Gott zu erfahren.

Für mich ist die Konfirmation die Bestätigung der Zusage von Gott, die er uns bei der Taufe gegeben hat: Ganz am Anfang unseres Lebens – bevor wir etwas daraus machen, bevor klar ist, wie unsere Schulkarriere einmal verlaufen wird, vor allem, was das Leben mit sich bringt und von uns fordert, steht Gottes JA. Die Stimme, die bei der Taufe von Jesus vom Himmel her ertönte: Du bist mein geliebter Sohn. Du bist meine geliebte Tochter.

Als spürbares Erinnerungs-Zeichen dafür mache ich den Konfirmand*innen ein Kreuz auf die Stirn. In dieser Umbruchszeit, in der sie stehen, verbunden mit vielen Unsicherheiten, mit all den Anforderungen, den Fragen, den Zweifeln an sich selbst, sollen sie nochmals ganz fest zugesprochen bekommen: Gott sagt JA zu dir.

Denn letztendlich leben wir vom Zuspruch und nicht vom Anspruch.

Die Welt konfrontiert uns tagtäglich mit ihren Ansprüchen: Du musst – leisten, funktionieren, Erfolg haben, gut aussehen, bestehen…

Der Glaube gibt uns die Zusage: Du bist angenommen und geliebt – ohne Vorbedingung, ohne Vorleistung.

Diese Stimme hat es jedoch äusserst schwer inmitten all der Stimmen, die wir tagtäglich hören und die uns prägen und bestimmen.

Darum brauchen wir sie immer wieder zu hören, dass sie unser Herz erreicht, dass wir ihr mehr und mehr vertrauen und aus ihr leben können.

Diese Stimme brauchen die Jugendlichen, diesen Zuspruch brauchen wir ein Leben lang.

Einer sagte Ja
zu meiner Geburt
zu meinem Leben
zu meinem Sein
zu meiner Schwäche
zu meinem Versagen
zu meinem Weg
Einer sagte Ja
zu mir
zu dir
Er wird nicht müde
auf deine und meine
Antwort
zu warten

(Margot Bickel)

Pfarrerin Claudia Rüegg Bissig

Claudia Rüegg Bissig

Pfarrerin Schwerpunkte: Konf-Unterricht, Junge Erwachsene, OeME
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